Ski- und Wandergruppe Kaufleute Zürich
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Wanderung auf den Hausberg von Glarus – Schwammhöchi -  29. Oktober 2005

Eine bunt zusammengewürfelte Schar SWGler und Zuwanderer findet sich beim Treff-punkt im HB ein, voller Vorfreude auf einen sonnigen Tag "in den Farben des Herbstes im Fridolinsland". Die Wanderung beginnt wie üblich schon hier im Bahnhof: wir laufen bis zuhinterst in den Sektor D, wo sich die für Gruppen reservierten Plätze befinden. Unterwegs begrüssen wir mit Oh und Ah die Sonne, die aus dem Nebelmeer auftaucht und eine glitzernde Bahn auf den See zeichnet. In Ziegelbrücke erwartet uns Hanny, und in Glarus finden sich Karin und Elsbeth ein. Vorher haben alle noch einen Blick auf Fridolins Elternhaus in Netstal geworfen.

Am schönen alten Bahnhofsgebäude von Glarus begrüsst uns Fridolin noch einmal offiziell und beginnt mit seiner Führung in die Historie von Glarus, dem kleinsten Hauptort der Schweiz (5586 Einwohner – romanisch "Clarona", was helllichte Stelle im Gelände bedeutet und auf römische Besiedlung hinweist). Weiter geht’s durch den Volksgarten zum von schönen Häusern umgebenen Zaunplatz. Hier findet immer am ersten Sonntag im Mai die Glarner Landsgemeinde statt (die erste war im Jahr 1387), wozu sich heutzutage ca. 6000 Personen einfinden. Anschliessend wird das traditionelle Mahl serviert: Chalberwürscht, Härdöpfelstock und Zwetschgenmues. An einer Seite des Platzes steht das KV-Schulhaus, wo einst Elsbeth und Fridolin studierten. Wir sind überrascht von den grosszügigen Ausmassen des Platzes und der Strassen und vermissen richtig alte Häuser. Der Grund sind die vielen Brände, die den Ort heimsuchten. Vor allem der verheerende Brand in der Nacht auf den 11. Mai 1861, zu dem ein starker Föhn das Seine beitrug. 600 eingeäscherte Häuser, 2/3 der Stadt, 2257 Personen wurden obdachlos.

Am schönen Platz vorm Rathaus findet ein Buuremärt statt und hier hat Elsbeth für uns eine Überraschung parat: der amtierende Mister Schweiz ist da und gibt Autogramme, auch einigen von uns – für die Kinder!! Er ist schon "en hübsche Buurscht", finden wir Frauen, wie "us eme Truckli" und nicht wie "vomene Buurehof". Die Bäckervereinigung lässt feines "Original-Wurzelbrot" verteilen, welches wir gern annehmen. Am liebsten würden wir Glar-ner Käse, Trockenblumenarrangements oder Holzarbeiten erstehen, aber wir sind ja eigentlich zum Wandern gekommen! Also marschieren wir weiter an Vreni Schneiders Sportshop vorbei und der Stadtkirche, wo Huldrych Zwingli von 1506-1516 als Pfarrer wirkte, aus der Stadt heraus und bergauf zum Aussichtsrestaurant Bergli. Sheila, die bis jetzt übermütig und lebhaft um uns herumgesprungen ist, wird leiser und langsamer und steigt nur unter Murren hinauf. Nach der Kafi-Tee-heisse Schoggi-Gipfeli-Pause wandert sie aber tapfer und munter die ganze Strecke mit. 

Wir alle geniessen die Wanderung durch den strahlenden Herbsttag inmitten einer wahren Farbsinfonie. Die raschelnden Blätter am Boden wecken nicht nur in mir Kindheitserinnerungen – in der Stadt kann man ja nicht mehr durchs trockene Laub schlurfen, da wird es dauernd von lärmenden Geräten fortgeblasen. Allerdings hat dieser bunte Teppich einen kleinen Nachteil, man sieht die Unebenheiten des Weges nicht und muss Wurzeln und Steine ertasten. Vor allem, weil man ja immer wieder die Landschaft bewundern muss, von Elsbeth,  Fridolin und Jean-Pierre kompetent erklärt: dort neben dem Glarner Fronalpstock der Schilt, die beiden verbindet eine lohnende Rundwanderung, erfahre ich. Dazwischen schaut der Mürtschenstock hervor, hinten der Freiberg Kärpf und rechts im Sonnenschein der Wiggis. Uns zur Seite steilaufragend und leider zeitweise auch die Sonne verdeckend: Vorderglärnisch und Glärnischmassiv.

Vor der Trinkpause am Waldrand "übersehen" wir das Schild "Wanderweg gesperrt – Windwurfholz" und geraten fast unter die Baumsäge! Auf dem Rastbänkli sitzt eine Frau, mit der wir ins Plaudern kommen. Sie wartet auf ihren Hund, der schon geraume Zeit bockstill vor einem Mauseloch in der Wiese sitzt und auf Ruf und Pfiff nicht reagiert, auch von uns lässt er sich nicht stören! Durch Wald und Wiesen, mal etwas steiler ansteigend, aber immer auf guten Wegen, erreichen wir das verwaiste Fe-rienheim und bald darauf die Schwammhöchi. Dort erwarten uns Doris und Samuel Massaro sowie Peter Strub und Max Baltis (TKZ-Präsident) mit einem reich dotierten Kaffee- und Kuchenstand.

Der Blick auf den tief unter uns liegenden Klöntaler See ist überwältigend. In seiner vollkommen ruhigen Oberfläche spiegeln sich die Berge. Nach einiger Zeit erscheinen plötzlich weisse Flecken wie Eis, und noch später färbt sich das Wasser an einer Stelle geheimnisvoll smaragdgrün. Wir sammeln trockene Äste zum Feuermachen, grobe Holzscheite sind vorhanden, die Servelats werden präpariert und überm Feuer an langen Stecken gebraten. Ui, meine ist auf einer Seite ziemlich schwarz geworden! Trotzdem, was schmeckt so gut wie eine selbstgebratene Wurst in frischer Luft?!

Für die drei Kinder, Samuel (6 J.), Sheila (11 J.) und Viviane (14 J.) gibt’s noch eine musikalische Überraschung: "Happy birthday" vom Geburtstagsörgeli gespielt. Sie haben heute, gestern, morgen Geburtstag und bekommen auch noch eine süsse Überraschung. Die Sonne ist hinterm Glärnisch verschwunden. Die empfindliche Kühle veranlasst uns, den schönen Platz zu verlassen. Die einen sind dabei schneller, zu dritt sind wir langsamer, Peter und ich müssen noch mal den See fotografieren, und da Fridolin gesagt hat, wir nehmen einen anderen Weg zurück, finden wir uns plötzlich nicht mehr zurecht. Aber – Natel sei dank (ich hab’ jetzt auch eins, M-Budget!) – haben wir den Anschluss wieder gefunden. Ein bequemes Natursträssli führt uns weiter bergab. Auf einer Weide treffen wir eine Herde ganz schwarzer Schafe, grosse und kleine, alle mit einem leuchtendgelben Knopf im Ohr, ein lustiger Anblick!

Fridolins Ankündigung, dass wir im "Café Cornetto", dem feinsten Café am Ort, noch einkehren, lässt uns auch das letzte Stück Asphaltlaufen leicht bewältigen. Aber – oha, lätz!- für 21 Wanderer ist kein Platz mehr. Einige decken sich noch mit Glarner Pastete ein, unser Ziel ist das schön altmodische Bahnhofsbuffet - nur die Selbstbedienung ist neu! Elsbeth, Karin und Hanny verabschieden sich von uns und kurz vor Abfahrt unseres Zuges trifft auch Doris noch ein. Wohlbehalten und zufrieden kehren wir heim mit schönen Erinnerungen an einen warmen, sonnigen Tag und freuen uns, eine weitere schöne Ecke von Fridolins Heimat kennengelernt zu haben.
Merci, Fridolin!

Ute Preising