Ski- und Wandergruppe Kaufleute Zürich
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Wanderung zum Benknerbüchel vom 13. April 2008

Es ist 09:30 Uhr, der Zug fährt im Bahnhof Reichenburg ein und wir steigen aus. „Wir“ sind insgesamt 14 Wanderfreunde, namentlich: Doris & Raymond, Peter Strub, Sonja & Fridolin, Blanca, Margarete, Hansfred mit Sohn Simon, Ruth, Rolf Hess (Kneippverein), Jean-Pierre, Karin und Lotti. 
Unsere Wanderung beginnt! Nach 5 Minuten erreichen wir den Rand des offenen „Plateaus“ der Linthebene. Jetzt kann man eindeutig spüren, dass auf offenen Ebenen das Wetter stets in Extreme verfällt. Einerseits brutzelt uns die Sonne von oben, ohne Chance auf Schatten für uns, andererseits eilt ein starker kühler Wind zu Hilfe und gleicht aus, dafür kann man sich ohne grosse Phantasie, wie im Windkanal fühlen. 
In Gedanken immer noch bei diesem lässigen Naturgewalten-Phänomen, wartet Fridolin bereits mit der nächsten kleinen „Sensation“ auf, dem Panoramablick auf den Hirschlensee.
Daraus macht er zurecht ein kleines Quiz, denn dieser See ist tatsächlich auf den allerwenigsten Karten eingezeichnet und wenn, dann ohne Namen versehen!?
Fridolin weisst hier zudem zurecht darauf hin, dass er im Sommer ein hochfrequentiertes Nautursee-Badi-Bijoux ist. Fürwahr ein kleines Natur-Idyll!

   

Schon bald geht es ab auf die «Wander-Autobahn» und über die offene Linth-Ebene. Für die nächsten 2,6 km wandern wir fast Lineal getreu geradeaus, in steter Begleitung mit dem treuen Gegenwind, der so stark ist, dass die kleinen Vögel in der Luft nur an Höhe, aber kaum an Flugdistanz gewinnen können.
31min später erreichen wir den Torfstichsee und befinden uns im Heimatkanton des Wanderleiters. Hier erzählt Fridolin viel interessantes und wir lauschen ihm gebannt zu. In der Hauptsache war es früher ein Torfgebiet, das abgebaut und die Mulde anschliessend mit Wasser gefüllt wurde.
Nach einer kurzen Verschnaufpause holen wir auf einer nassen und moorigen Wiese im 180 Grad Bogen zur Richtungswende aus, schon bald wandern wir auf der anderen Autobahnseite, auf dem Linthkanal der Giessenbrücke entgegen. 3,3km weiter erreichen wir um 11:10 Uhr verspätet unseren Znünipausenort in der „Giessen“, das Restaurant Brezelstube und Bäckereimuseum, eröffnet im Jahre 2006. Einige von uns verschwinden im interessanten Museum, das die Bäckergeschichte der Region mit Objekten, Unikaten, Bildern und Erläuterungen sehr spannend aufzeigt und die anderen setzen sich gleich im Restaurant oder draussen im Garten hin und geniessen die Pause. 
Schon bald drängt Fridolin zum Weiterwandern. Fröhlich setzen sich die Wandervögel wieder in Bewegung. Öhä, nach wenigen hundert Metern scheint ganz offensichtlich das zu beginnen, wovor mich Fridolin vorgängig gewarnt hat: Der Steilaufstieg ohne Gleichen! 
Hier die Parameter für die Rechenfüchse unter uns:
100m geht es bergauf, dann weitere 100m ebenaus und leicht bergab und dann erneut 800m bergauf. Am Anfang befindet man sich auf 422 M.ü.M., zu oberst auf 560 M.ü.M. Richtig, das ergibt ein enormes Gefälle, für uns als Berauf-Herausforderung. Warum bloss, erscheint mir vor meinen Augen auf einmal ein Bild mit Luis Trenker am Matterhorn; wird wohl die aktuelle topografische Inspiration sein ;-) 
Es sei hier an dieser Stelle vermerkt, während wir auf dem Rest der Wanderung mit zügigen 5 km/h unterwegs waren, reichte es hier an dieser „Steilwand“ nur gerade für 2,5 km/h aus!
Kurz vor dem Ende des Aufstiegs, geht es fast waagerecht links vom Weg ab ins Gehölz. Jetzt heisst es die Muskelkraft zurücknehmen, sonst spickt man sprichwörtlich über eine Klippe, senkrecht hinunter und retour an den Beginn des Aufstiegs. Bleibt man also oben stehen, ist die Belohnung umso fantastischer: Der offene Blick über die ganze Linthebene, so weit die Augen und die Feldstecher sehen können.

    

 In solchen Momenten weiss man schlagartig wieder, weshalb man manchmal auf einer Wanderung so harte körperliche Herausforderungen annimmt und überwindet, sich schwört, es nie wieder zu tun und dann, ein paar Wochen später, es doch wieder tut und immer wieder. So, jetzt ist aber für den Moment genug gewandert und Hunger & Durst ersuchen um einen Termin, gehört zu werden. Nach 6 min und 400m ist es soweit, wir erreichen das Jägerhüttli. 
Wir verteilen uns an den schönen Stein- und Holztischen und verspeisen genüsslich, die aus dem Rucksack, mitgebrachten Lebensmittel und Getränke. 
Diese Mittagsrast ist gleich 3x so schön, wie normal.

  1. Das Beisammensein mit so vielen netten, lustigen und interessanten SWG-Mitwanderer.
  2. Für Sonnenhungrige hat es Sonnenplätze, für die Überhitzten, wie mich, kühlen Schatten.
  3. Wenn wir uns wieder erheben und mit vollen Bäuchen weiter wandern müssen, wird es bis zum Ziel fast nur noch bergab und kaum mehr bergauf gehen.

Mit diesem Wissen lassen wir uns fast eine Stunde Zeit, bis wir die nächsten 1,7km in 25min in Angriff nehmen. Nach dieser Zeit erreichen wir den Wallfahrtsort „Maria-Bildstein“, wo einzelne Grotten und die beliebte Wallfahrts- und Hochzeitskirche besichtigt werden können.

     

Jetzt geht es aber wirklich so richtig bergab, von 528 auf 409 M.ü.M und das fast ganz ohne auf und abs dazwischen, direkt zum gedeckten Tisch bei Marie-Rose.
Um genau 15 Uhr treten wir ein ins Paradies der Erholung, kulinarischen Freuden und zwischen-menschlicher Wertschätzung. Wir werden von unserer Gastgeberin nach Strich und Faden verwöhnt, mit allerlei Leckereien, Gebäck, Kaffee und Kuchen, Bier und Wein. 
Für SWG-Wandertempo-Verhältnisse hält uns diese üppige Gastfreundschaft, gepaart mit viel Grün rund um das Haus und wunderbar herrlich weichen Sitzgelegenheiten im Schatten des grossen Sonnenstorens bei ganz leichtem Wind, unglaublich lange – sagenhafte 2 Stunden 15min! 
Und nur, weil wir Marie-Rose nicht noch länger in Anspruch nehmen wollen und der nächste Zug erst wieder in einer Stunde fahren würde, brechen wir schweren und zugleich freudigen und ausgeruhten Herzens auf, bedanken und verabschieden uns von diesem kleinen Paradies inmitten von Benken und machen uns auf unsere letzten 2,3km und 32min an diesem Tag. 
Wir erreichen den Bahnhof von Benken und wenige Minuten später bringt uns der ÖV wohlbehalten nach Zürich zurück. Ein Dankschön an Blanca + Fridolin, die uns an und durch schöne Orte ihrer Kindheit geführt haben. 
Fazit:

Wenn es lange topfeben geradeaus geht, schlägt der Ausgleich irgendwann entsprechend hart zu und jagt einen fast senkrecht hinauf und wieder hinab.
Wo viel Licht, da auch viel Schatten - wo lange eben da auch viel steil.

So viel Ruhezeit und Verwöhntwerden in einer einzigen Wanderung, habe ich noch nie erlebt, könnte man beim SWG aber generell einführen :-)

Peter Strub

 

Gedanken zur Wanderung „Maria-Bildstein“ gemacht von Mitwanderer Hansfred Büschlen:

Danke für die Liebe, die ich zur Mutter Erde verspür
Wenn ich vom Berg auf eine Wanderung ins Tal geh.
Und dann auf dem Benkner- Büchel steh.
Dabei in meine geliebten Berge seh.
Und dabei spür, wie sehr ich Sie lieb.
Dann summ ich dazu ein uraltes Lied.
Wenn ich vor den Grotten der Maria-Bildstein steh.
Sie bestaune, und dazu die Statuen anseh.
Dann falte ich die Hände, und spreche leise ein Gebet.
Dabei spür ich tief im Herzen drin.
Dass der Vater im Himmel.
Auch mich liebt, und das für immer.
Wenn es an diesem wunderbaren Frühlingstag weitergeht.
Und ich meinem glücklichen Buben zuseh.
Dann danke ich dem Schöpfer dafür.
Auch für die Liebe, die ich zur Mutter Erde verspür.

 
h.bueschlen(at)gmx.net