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Programm / Tourenberichte
Hochmoorwanderung im Prättigau, Samstag/Sonntag 11./12. Juli 2009
1. Tag: Stels/Mottis 1484m – Stelserberg – Sattel 1822m – Gafäll 2044m – Alp Valpun 1882m – Leng Ried 1700m – St.Antönien Platz 1420m – Mittel Ascharina, Hotel Bellawiese. Wanderzeit ca. 4 Std.
2. Tag:St. Antönien – Cuoidurawald – Alpanova 1592m – Guggerwald 1400m – Pany Post 1250m – Wanderzeit ca. 2 ½ Std.
„Das Wandern ist des Müllers Lust“... Ich meine, nach diesem Motto verbrachten wir die beiden Wandertage an den Berghängen des mittleren Prättigaus. Das Wetter zeigte sich an beiden Tagen von der kühleren Seite (15-20°C), doch als Wanderklima nicht schlecht.
Schon früh um halb acht am Samstagmorgen fuhren wir sieben Aufrechten von der SWG los ab Zürich HB bis Landquart, wo Hanni zu uns stiess. Da der Zug Verspätung hatte, mussten wir zügig umsteigen in die RhB nach Schiers und dort auf ein Postauto von halber Länge eilen, das uns auf einem schmalen Strässchen hoch brachte nach Stels/Mottis, genau vor das Berghaus Mottis. Das SWG KafiundGipfeli – Ritual konnten wir also abhalten.
Um kurz nach halb elf schulterten wir unsere Rucksäcke (ein bisschen schwerer als üblich) und begannen den Stelserberg zu erklimmen. An der Spitze unser Wanderleiter Patrick, gefolgt von Raymond, Doris, Ute, Margarethe, Hanni, Karin und der Schreiberin. Bald erreichten wir eine Anhöhe, von wo man auf den Stelsersee hinunterblicken konnte. Den Ansichtskarten ist zu entnehmen, dass auf dem See weisse Seerosen gedeihen. Weiter gings über eine Bergblumenwiese in vollem Blust, welche dann aber abrupt überging auf einen steilen und felsigen, mit Alpenrosen und grossblütigen Enzianen bewachsenen Grat. (Bestimmt hat Ute die meisten Blumen mit ihrer Digitalkamera festgehalten.) Nach den Bärenseewen, auf etwa 2000müM, machten wir Mittagsrast. Rechts lag der Talgrund des Prättigaus, linkerhand erhoben sich in einiger Entfernung steile Felswände (Drusenfluh und Sulzfluh, dazwischen das Drusentor, ein Passübergang ins Montafon) und vor uns – NEBEL. Im Nebel stünde das Chrüz 2196m, erklärte Patrick, ein freistehender Berg, den wir eigentlich hätten bezwingen wollen. Aber wir beschlossen einstimmig, diese 196m Aufstieg für ein anderes, lohnenderes Mal aufzuheben.
Wir wanderten nun abwärts, teils im Nebel. Wir überquerten die Alp Valpun, eine Alpweide mit Mutterkühen in allen (Kuh-)Farben mit ihren herzigen Kälbern. Die Mutterkuhhaltung ist gut geeignet in weniger fruchtbaren Gebieten wie hier, um die Flächen zu beweiden und damit zur Pflege der Landschaft beizutragen. Aus dem Hintergrund beäugte uns der Stier; da kam mir das nahe Föhrenwäldchen gerade recht um darin verschwinden zu können. Nachdem wir ein Hochmoor auf Holzbrettern überquert hatten, trafen wir unverhofft auf eine schöne Feuerstelle mit Tisch und Bänken. Beim Anblick derselben überkam uns sogleich mächtigen Durst. Zu unsern Getränken offerierte uns Ute leckere Schoggi mit Orangenaroma. Die Uhr zeigte halb drei. Wir fanden es de Plausch, den Tag gemütlich verbringen zu können, ohne gegen Abend auf ein Verkehrsmittel hetzen zu müssen. Der Weg führte uns weiter abwärts dem Hang entlang Richtung St. Antöniertal. Das Dorf St. Antönien setzt sich zusammen aus den Fraktionen St. Antönien, Ascharina, Rüti und Castels. Die meisten Einwohner (ca.370) leben entsprechend der walserischen Besiedlungsart auf weitverstreuten Einzelhöfen. Punkt vier Uhr marschierten wir an der Kirche von St. Antönien vorbei zu unserm Hotel Bellawiese.
Im Hotel wurden wir herzlich begrüsst von einer quirligen Wirtin, einer Holländerin. Sie führt das Haus zusammen mit ihrer Familie. Nach dem Begrüssungstrunk verabschiedete sich Margarete von uns, um nach Zürich zurück zu fahren. Wir bezogen unsere Zimmer, machten uns frisch und bald durften wir an einem schön gedeckten Tisch im heimeligen Speisesaal Platz nehmen zum Abendessen. Man servierte uns Blumenkohlsuppe, Fleisch vom Grill mit Pommes, dazu konnten wir uns an einem Salatbuffet bedienen. Natürlich durfte ein Gläschen Malanser nicht fehlen. Nach dem Dessert überkam uns die Spiellust. Wir spielten einige lustige Runden „6Nimm“ (auch Hornochsi genannt) unter Anleitung von Raymond und Doris. Spiel und Wein machten uns müde und so um elf verkrochen wir uns in die Federn.
Am andern Morgen trafen wir uns wieder beim Frühstücksbuffet, teils frisch und munter, teils noch nicht ganz soweit. Als Ersatz für Margarete trudelte bald einmal Fridolin ein, von Zürich her kommend. Er wollte den Sonntag mit uns verbringen, bevor er nach Arosa in die Sommerfrische fuhr. Da der Himmel bedeckt war entschlossen wir uns, nach Pany zu wandern, Dauer ca. 2 ½ Std. Um kurz vor elf war Aufbruch. Bevor wir das Tal verliessen, warfen wir noch einen Blick indie berühmte ref. Talschaftskirche St.Antönien, erbaut um 1493. Heute wird sie von Bund und Kt.GR gehegt und gepflegt. Unser Wanderweg führte nun stetig leicht aufwärts durch Wald mit viel Farn und guter Luft. Auf Alpanova 1600m machten wir Halt vor einem Stall und assen unsere letzten Leckerbissen aus dem Rucksack. Nach kurzer Wanderzeit überquerten wir eine steil abfallende Heuwiese und landeten auf einer Hochebene. Das Wetter war so gnädig und liess uns gegenüber in der Ferne das Parsenn- und das Silvrettamassiv erkennen. Kurz nach zwei Uhr erreichten wir das schmucke Dorf Pany, auf einer Südterrasse des Prättigaus gelegen. Wir lechzten nach Flüssigkeit, da war die Gartenwirtschaft einer Pizzeria mit österreichischem Kellner gerade richtig für uns. Schlussendlich veranstalteten wir ein ordentliches Gelage mit Pizzas, Getränken, Glacé und so fort. Einige hatten das Bedürfnis zu shoppen. Im „Sunnä – Eggä“ deckten sie sich ein mit einheimischen Produkten wie Salsiz, Butter und Nusstorte.
Um halb vier mussten wir leider Abschied nehmen von dem schönen Touristenort. Die Heimreise führte mit dem Postauto über Luzein nach Küblis, mit der RhB nach Landquart, wo wir sieben Aufrechten aussteigen mussten, Fridolin jedoch sitzen bleiben durfte. Um etwa halb sechs Uhr erreichten wir Zürich HB, wohlbehalten und zufrieden.
An dieser Stelle möchte ich unserm Wanderleiter Patrick herzlich danken. Er hat für uns ein erlebnisreiches Wanderweekend mit einem originellen Hotel organisiert. Ich hoffe, ich konnte mit meinem „Brichtli“den einen oder andern neugierig machen und dazu ermuntern, an unsern Wanderungen teilzunehmen.
Margrit Sulzer
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